Der Fall Ignaz Walker

Ich, Ignaz Walker und mein Fall ….

Am 06.12.2018 am Morgen habe ich von meinem Anwalt erfahren, dass vom Bundesgericht meine Beschwerde abgelehnt wurde und ich von der Statsanwaltschaft Uri zur Verhaftung ausgeschrieben wurde. Ich habe mich freiwillig bei der Kantonspolizei Uri gemeldet und habe mich um 18:45 Uhr im Gefängniss Grosshof  Kriens gemeldet.

 

Wie mehrmals angekündigt veröffentliche ich nun alle Akten meines Falles, sozusagen als Abschiedsgeschenk. Diese Webseite werde ich in den nächsten Tagen weiter ergänzen.

Da meines Wissens noch niemand einfach sämtliche Akten im Internet veröffentlicht hat, wird die Frage gestellt werden: Ist das Legal? Darf der Walker dies tun?

Ich habe keine Ahnung und es ist mir offen gestanden völlig egal. Einige Leser werden bei diesen Worten die Verbitterung in meinen Worten bemerken. Stimmt, ich bin verbittert und fühle mich ohnmächtig gegenüber der Willkür, welche ich erleben musste.

Es vergeht nahezu kein Tag, an dem ich nicht auf meinen Fall angesprochen werde. Eigentlich hat mein Leben am 12.November 2010, am Tag meiner Verhaftung, aufgehört zu existieren. Sie haben mich im Gefängnis lebend begraben, mit den schärfsten Haftbedingungen, welche in der Schweiz möglich sind. Sie konnten dies tun weil ich ein Niemand bin. Als ab 2013 investigative Journalisten begannen, sich für meinen Fall zu interessieren, habe ich kurzfristig erneut Hoffnung geschöpft. Hoffnung, dass die Wahrheit nun doch als Licht kommen könnte.

Tatsächlich ist es gelungen. Vieles wurde entschlüsselt, einiges wurde plötzlich klar. Zu den Gerichtsprozessen ging ich jeweils immer voller Zuversicht, weil ich mit immer mehr beweisbaren Fakten und Beweisen meine Unschuld belegen konnte. Ich konnte ebenfalls die Missstände bei den Urnern Ermittlungsbehörden aufzeigen und belegen, wie eine Indizienkette gegen mich aus Erfindungen zusammengebastelt wurde.

Was habe ich damit erreicht? Nichts.
Es war bereits zu spät. Es war völlig egal, wieviel mein Verteidiger oder ich noch vorbringen konnten, das Urteil war schon lange klar. Als der öffentliche Druck für einen Freispruch zu gross wurde, bediente man sich eines Tricks. Man sprach mich in den Hauptanklagepunkten frei, und begründete dieses Urteil dermassen mangelhaft, dass es eine Steilvorlage für den Staatsanwalt bedeutete.

Es kam, wie es kommen musste. Das Bundesgericht bemängelte die Begründung des Urteils und wies den Fall erneut zurück an des Obergericht Uri. Nun konnte sich das Obergericht elegant wieder hinter dem Bundesgericht verstecken mit der Begründung, das Bundesgericht wäre offenbar mit einem Freispruch nicht einverstanden, deshalb müsse man mich erneut verurteilen. Ein Schachzug, welcher in seiner Niederträchtigkeit kaum zu übertreffen ist.

Das Bundesgericht brauchte für die Aufhebung des Obergerichtsurteils nahezu keine Aktenkenntnisse. Das Einzige, was ernsthaft geprüft wurde war: War die Begründung des Obergerichts mangelhaft, willkürlich oder eben nicht. Natürlich war sie mangelhaft, bewusst. In der Quintessenz bedeutete dies für mich, dass das Bundesgericht, ohne die Eingaben meines Verteidigers zu lesen, entscheiden konnte, dass mein Freispruch aufgehoben wurde.

Nun wurde ich 2017 erneut vom Obergericht Uri zu 10 Jahren Haft verurteilt. Ich bin zwar noch in Freiheit, jedoch mit strengen Auflagen. Alle warten nun auf das neue Urteil des Bundesgerichtes.

Dabei habe ich nur eine Chance, wenn sich das Bundesgericht entschliesst, die Akten gründlich zu lesen und erst dann ein Urteil fällt. Alle, wo sich die Mühe gemacht haben die Akten vollständig und genau zu studieren (leider sind das sehr wenige) kamen zur Erkenntnis, dass ich zu Unrecht verurteilt wurde.

Gegen mich sprechen einige politische Seilschaften, welche nach meinem Freispruch aktiv wurden. (Wenn der Freispruch bestätigt worden wäre, hätte es wohl eine Untersuchung gegeben) Für mich sprechen die Wahrheit und die Gerechtigkeit, welche jedoch schon viel zu lange vertuscht oder mit den Füssen getreten wird.

Was bedeutet dies für mich persönlich zum jetzigen Zeitpunkt? Können Sie sich vorstellen, was es heisst als verurteilter Straftäter in Freiheit zu leben, immer mit dem Wissen, ein Damoklesschwert im Nacken zu fühlen? Können Sie sich den tägliche Psychostress vorstellen, welchem ich ausgesetzt bin? Können Sie sich vorstellen, wie hart allein schon der Kampf um die tägliche Existenz sein kann mit solchen Referenzen?

Als ich aus dem Gefängnis entlassen wurde, hatte ich nichts mehr als die wenigen Kleider, welche ich trug. Heute schlafe ich in einem Wohnmobil, welches mir eine Bekannte zum Unkostenbeitrag zur Verfügung stellt. Ich arbeite Teilzeit als Taxifahrer und komme so einigermassen über die Runden. Wieder 100 Prozent zu arbeiten, dazu reicht es nicht mehr. Ich könnte es ganz einfach nicht mehr. Die gesundheitlichen und auch psychischen Voraussetzungen sind nicht mehr vorhanden.

Manchmal denke ich, es wäre wohl besser, ich wäre tot.